Vorhang auf für meine beiden Schützlinge :‘)

Wegen Ladys First beginnen wir mit:

Caroline Richter

Caro, du hast Medienwissenschaften, Anglistik und Kommunikation in Leipzig studiert und machst derzeit deinen Master in Englischer Literatur in Berlin. Wann überkam dich die Idee, selbst zum Stift zu greifen, und was war der Auslöser?

Geschichten erzählt hab ich schon als Kind, aber damals eben nur mit Kuscheltieren und Bilderbüchern. Richtig bewusst geschrieben habe ich dann mit 14 das erste Mal – die Ergebnisse würde ich heute aber niemandem mehr zeigen. Sie existieren auch gar nicht mehr, aber die Erinnerungen allein sind schon schlimm genug. Auslöser dafür waren Mangas und eine Menge Fangeschichten im Internet. Ich habe meine Umwelt ganz genau beobachtet und unzählige Handlungen geschmiedet, die es aber zumeist nicht aufs Papier geschafft haben. Ab ungefähr 16 habe ich den Stift nur noch fürs Tagebuch rausgeholt … bis ich 2009 wieder mit selbstgeschriebenen Romanen in Kontakt gekommen bin und dachte: Das kann ich auch! Und plötzlich waren da wieder all diese neuen Ideen und ich hab mich erinnert, wie viel Spaß dieses Planen und Zusammenspinnen gemacht hat!

 

Von Kuscheltieren zu Romanen – die Anfänge sind doch immer wieder interessant. Das geschriebene Wort begleitet dich also schon eine ganze Weile in deinem Leben. Würdest du sagen, dass es eine besondere Bedeutung für dich hat? Und wenn ja, wie würdest du diese Bedeutung definieren?

Ja, natürlich! (Wäre schlimm, wenn nicht, oder?) Mein Kopf ist einfach immer voll mit Tagträumen und das Schreiben gibt mir die Möglichkeit, sie festzuhalten. Dadurch, dass andere sie lesen können, werden sie (beinahe) real, hihi.

 

Wenn man ein Buch von Caroline Richter in die Hand nimmt, was darf man als Leser erwarten? Was sind die Themen, die dich bewegen, und welche Art von Geschichten schreibst du?

Irgendwie verdrehe ich alles, was ich sehe, in meinem Kopf zu einer Liebesgeschichte – egal, ob ich ein Gespräch in der U-Bahn überhöre oder ein Geschichtsbuch lese. Sobald ich zwei spannende Charaktere sehe, male ich mir bereits ihre Beziehung aus. Liebe ist eben das, was jeden von uns am meisten beschäftigt, ganz gleich ob wir ansonsten Putzfrauen oder Politiker sind. Es ist egal, ob wir auf den strahlenden Prinzen warten oder uns jedes Wochenende mit jemand anderen amüsieren – tief in uns wollen wir doch alle das Gleiche. Bei keinem Thema finde ich die Ängste und Hoffnungen so faszinierend. Das wirklich Wichtige im Leben sind die Menschen um uns herum und die Beziehungen, die wir zu ihren führen, und deswegen wird es sich bei mir auch immer darum drehen.
Ansonsten geht es bei mir nicht ohne Spaß! Wenn jemand über meine Witze lacht, ist er sich meiner ewigen Loyalität sicher 😛 Also schreibe ich am ehesten fluffige – und hoffentlich komische – Romanzen.
Einer meiner Träume wäre es daher allerdings, mal ein richtiges Drama zu schreiben! Das finde ich unheimlich schwer.

 

Da ich über deine Witze gelacht habe, gehört mir also deine volle Loyalität. Gut zu wissen, wird sofort notiert. Mit deinen 23 (bald 24) Jahren bist du noch relativ jung, Caro, und trotzdem stehst du kurz vor deiner ersten Buchveröffentlichung.  Wie fühlt sich das an? Muss das nicht wahnsinnig aufregend sein?

Na klar ist das aufregend! Das ist, denke ich, sicher immer was super Besonderes, egal, wie alt man ist. Und eigentlich fühle ich mich auch gar nicht so jung, es gibt doch so viele begabte Menschen da draußen. Andererseits … ist es wirklich ganz schön krass. Du kannst das doch selbst am besten nachvollziehen, oder? Ich glaube, ich habe auch noch nicht ganz realisiert, dass es wirklich passiert …

 

Spielst du auf meine Aufregungs- und Nervositätskollapse der letzten zwei Jahre an? Ach, die sind doch nicht der Rede wert … Die fünfhundert da, pff. Aber keine Angst, glücklicherweise musst du nicht allein durch, ich werde schön dein Händchen halten. Ich selbst schreibe ja immer nach dem Motto „Geschichten muss man nicht nur lesen, man muss sie spüren“, nun ist genau dieses Motto zu meinem Verlagsmotto geworden, und ihr beide, sowohl du als auch André, erfüllt es mit Bravour. Wie schaffst du es, dass man die Geschichte von Lea und Noel so mitfühlen kann? Und welche Ansprüche stellst du an dich selbst als Autor?

Puh, du stellst Fragen … Das soll ich jetzt in nur zwei-drei charmanten Sätzen beantworten?

 

Nein, du darfst selbstverständlich auch mehr als zwei Sätze verwenden. Und „charmant“ war auch nie Pflicht :’)

Gut zu wissen. Ich glaube/hoffe, dass Lea und Noel als Charaktere sowie ihre Beziehung viel von den Unsicherheiten wiederspiegeln, unter denen Menschen heutzutage leiden. Dazu mixe ich die Romantik meiner Disney-inspirierten Hoffnungen und tadaa – fertig ist „Dezembergeheimnis“! Denn sind wir mal ehrlich: Obwohl uns allen so viel Romantik im Alltag verloren geht, sehnen wir uns doch eigentlich danach, oder nicht? Mir geht es beim Schreiben meist um den unschuldigen Aspekt des Verliebens. Das hat so was Unberührtes, Zartes, was inzwischen leider so selten geworden ist. Mein Anspruch ist, Leute zu inspirieren, ehrlicher zu sich selbst zu sein und in ihrem Leben wieder mehr Raum fürs Träumen einzurichten.

 

Wenn ihr noch weitere Fragen an Caro habt oder neugierig auf „Dezembergeheimnis“ geworden seid: Es gibt bereits eine (und noch ganz jungfräuliche) Fanpage auf Facebook.
https://www.facebook.com/pages/Dezembergeheimnis/1431719030374638

Die Eckdaten:
Titel: „Dezembergeheimnis“
Erscheinungstermin eBook (alle Formate): Ende November 2013
Erscheinungstermin Printbuch: 2014
Seitenanzahl: ca. 330
Klappentext: folgt bald
Cover: folgt bald

 

Weiter geht es mit:

André Werner

André, du bist 32 Jahre alt, hast erst Informatik, dann Philosophie studiert, lebst in Berlin und warst früher Sänger und Songwriter einer Band. Wie kamst du von der Musik zum literarischen Schreiben?

Von meinem inzwischen verstorbenen Großvater bekam ich zur Schuleinführung eine Konzertgitarre geschenkt. Allerdings ignorierte ich dieses Instrument viele Jahre gekonnt. Erst mit 15 setzte ich mich ernsthaft damit auseinander. Und kaum drei gelernte Akkorde später begann ich, eigene Texte zu schreiben. Ich habe damals sämtliche deutschsprachige Musik konsumiert, die zu finden war, und doch wurde ich nicht satt. Also mussten eigene Worte her. Englische Texte kamen für mich nie in Frage. Es wäre immer ein fremdes Instrument gewesen, das ich niemals so beherrschen würde, wie meine eigene Sprache. Als dann irgendwann die Band nach fast einem Jahrzehnt auseinanderbrach, musste dieses entstandene Loch wieder ausgefüllt werden. So begann ich vor rund sieben Jahren mit dem Schreiben, und es war eine tolle Erfahrung. Ich hatte plötzlich viel mehr Platz, um eine Geschichte, eine Idee zu formulieren und war nicht länger an das Korsett aus Strophe und Refrain gefesselt. Das war eine unglaubliche, neue Freiheit … mit der man sich am Anfang allerdings auch etwas verloren fühlen kann.

 

Das klingt, als wäre deine neu gewonnene Freiheit nicht nur Segen sondern auch Fluch gewesen. Möchtest du auf deinen letzten Satz, dass du dich verloren gefühlt hast, vielleicht noch ein bisschen näher eingehen? Und was bedeutet es dir, dich mit Worten auf dem Papier auszudrücken?

Nun, zu viel Freiheit braucht irgendwann Disziplin, und das ist nicht gerade eine Stärke von mir. Von daher war es vielleicht nur mein Fluch. Einfach drauflos schreiben, war eine schlechte Idee, wie ich lernen musste. Ich musste eine Geschichte planen, strukturieren, organisieren, alles, was extrem unsexy ist, wenn man seiner Kreativität freien Lauf lassen möchte. Erst mit einer gewissen Routine in diesen Dingen kann man sich wieder auf das konzentrieren, was man ursprünglich vorhatte: Geschichten erzählen.
Am Anfang war es sehr befremdlich, mit dem Gedanken herumzurennen: Ich möchte schreiben. Aber wenn man sich lange genug damit beschäftigt, verwächst es sich mit der eigenen Persönlichkeit. Es gehört irgendwann untrennbar zu einem. Es ist für mich einer von vielen Wegen, einigermaßen heil durch das Labyrinth des Lebens zu kommen.

 

Viele Autoren wenden sich thematisch dem „Glück“ zu, du greifst in deinen Geschichten genau das Gegenteil auf und konzentrierst dich auf das „Unglück“. Worin liegt für dich die Faszination in der Schattenseite des Lebens?

Ich denke nicht, dass es einen ewigen Glückszustand gibt. Das könnten wir auf Dauer gar nicht ertragen. Es käme unweigerlich zum Genussverschleiß. Glück und Unglück sind ein unfreiwilliges Paar und brauchen sich gegenseitig, um überhaupt zu existieren. Wie sollten wir Glück empfinden über etwas, das uns gelingt, wenn wir gar nicht wüssten, dass es ebenso hätte misslingen können? Glück hat viel mit Dankbarkeit zu tun, auch wenn es dafür meist keinen Adressaten gibt.
Ich glaube, in der Tragik liegt mehr Wahres als in der Euphorie. Letzteres ist einfach nur schön, während uns tragische Momente zwingen, in uns hineinzuhorchen. Mit ihnen wachsen wir. Oder zerbrechen.

 

Die meisten Autoren versuchen irgendwann, einen Verlag für sich zu gewinnen – du dagegen hast dein eBook im Alleingang selbst veröffentlicht. Warum hast du dein Glück nie bei Verlagen gesucht? Und wie kam es, dass du nun doch mit einem zusammenarbeitest?

Ich wollte niemanden um Erlaubnis bitten, damit ich mein Buch veröffentlichen kann. Zudem ist mein Buch kein klassischer Roman, und wir leben in einer Hochzeit dieser literarischen Gattung, und Verlage bestehen fast ausschließlich auf diese Form. Mein Buch besteht jedoch aus drei großen Erzählungen, die von mehreren kleineren Geschichten inhaltlich flankiert werden. Ich fand es sehr spannend, mit diesen Verknüpfungen zu experimentieren.
Nach der Veröffentlichung musste ich leider feststellen, dass es eine Sache ist, zwei Jahre im stillen Kämmerlein sein Werk zu verfassen, eine ganz andere jedoch, anschließend darauf aufmerksam zu machen. Den berühmten Fuß in eine Tür habe ich einfach nicht bekommen. Und ich habe mir wirklich die Finger wund geschrieben. Auf ein einziges offenes Ohr bin gestoßen, als ich schon nicht mehr zu hoffen wagte. Eine junge Schriftstellerin nahm sich meiner an. So bin ich beim Schandtaten Verlag gelandet. Die Gründerin Carina Bartsch sah mein Buch nicht nur als Produkt, da sie selbst Autorin ist. Sie steht somit auch künstlerisch voll hinter meinem Werk. Und als wir vorhin von Glück sprachen: Das ist so ein Moment. Und ich bin sehr dankbar für diese Chance.

 

Uff … rühren wir doch einfach die Interviewerin und setzen sie somit Schachmatt. Toller Plan! (Dein schriftstellerisches Talent ist allein dein Verdienst  – ich habe es lediglich erkannt, das ist alles.) Wo wir schon bei Talent sind … Du hast es geschafft, mich mit deinen Geschichten zu bewegen und mich gleichzeitig an vielen Stellen sehr nachdenklich zu stimmen. Welchen Anspruch hast du an dich selbst beim Schreiben? Und was ist dir bei deinen Figuren besonders wichtig?

Am Anfang einer jeden Geschichte steht eigentlich immer eine Frage. Mir geht es weniger darum, sie letztendlich zu beantworten, das würde ich mir nicht anmaßen, sondern viel mehr sie zu formulieren, sie wie einen Teppich auszubreiten. Dann betrachtet man die verschiedenen Muster, erkennt feine Nuancen und taucht ab, bis man das verwobene und komplizierte Geflecht der einzelnen Fasern erkennt. Es gibt große Themen in unserer Zeit, die nur schwer zu fassen sind. In meiner ersten Geschichte zum Beispiel geht es um die massive Ungerechtigkeit einer illegalen Inhaftierung von Seiten eines Rechtstaates. Das ist ein trockener, hässlicher Fakt, zäh und unpersönlich. Ich wollte verstehen, wie es so einem Menschen geht, wenn er ohne stichhaltigen Grund aus seinem Leben gerissen wird. Man wird in der Geschichte mit den schmerzlichen, sehr persönlichen Briefen des Häftlings konfrontiert, die er seiner Frau schreibt. Und auf dieser Ebene begegnet man der Ungerechtigkeit, diesem einfach gesagten Wort, auf sehr niederschmetternde Weise. Sie wird dadurch greifbar, unerträglich.
Meine Figuren sind zumeist Grübler, die sich in ihren Gedanken verrennen, mit teils dramatischen Auswirkungen. Mir geht es mehr um die Innerweltlichkeit der Charaktere. Wie ein Spion, ein Guckloch in den Kopf und ins Herz, wenn man so will. Am Ende geht es mir wohl um Nachvollziehbarkeit und den Wunsch, mit seinen Urteilen über andere Menschen vorsichtiger zu sein.

 

Die Geschichte, die André anspricht, hat er als Selbstverleger innerhalb eines Videos eingelesen. Sie trägt den Titel „Abschied“ und wer neugierig geworden ist, kann gerne reinhören. Absolut zu empfehlen. (Bei dem eingeblendeten Cover handelt es sich um das alte; im Schandtaten Verlag wird es ein neues zu seinem Buch geben.)

 

Wenn ihr weitere Fragen zu André oder seinem Roman habt und/oder die Veröffentlichung nicht verpassen wollt, dann könnt ihr ihm gerne auf Facebook einen Besuch abstatten:
https://www.facebook.com/pages/Wunschlos-ungl%C3%BCcklich/505277862884588

 

Die Eckdaten:
Titel: „Wunschlos unglücklich“
Erscheinungstermin eBook (alle Formate): 2014
Erscheinungstermin Printbuch: 2014
Seitenanzahl: ca. 300
Klappentext: folgt
Cover: folgt

Liebe Caro, lieber André, ich bedanke mich, dass ihr euch die Zeit genommen und so informative Antworten gegeben habt. Vielleicht verstehen manche ja jetzt schon ein bisschen, warum ich euch beide so toll finde :’) Ich bin so wahnsinnig aufgeregt, freue mich auf eure Veröffentlichungen und die nächsten Jahre mit euch!

Am Ende noch ein wichtiger Hinweis an die Autoren unter euch: Ich bitte von Manuskripteinsendungen abzusehen. Vorerst bleibt es nur bei den beiden Veröffentlichungen; was die Zukunft bringt, wird sich noch zeigen. Derzeit können eingesandte Manuskripte leider nicht gelesen werden.

4 Kommentare zu Interview mit Caro & André aus dem Schandtaten Verlag

  • Pingback: Caroline Richter | Der offizielle Start!

  • Irma sagt:

    Liebe Carina,

    was hast Du da wieder geschafft? Es langt wohl nicht, dass uns Deine Worte berühren und direkt ins Herz treffen…nein…jetzt gibt es gleich die dreifache Ladung 🙂
    Beide Autoren machen neugierig und versprechen jetzt schon einen Lesegenuss auf unterschiedliche Weise. Ich freue mich sehr für Dich, dass Du genau zwei Autoren gefunden hast, die genau zu Dir passen. Ich finde Dein Verlag könnte auch Herzberühren heißen 😉
    Hab einen schönen Tag.

  • Was für eine Entwicklung – selbst Schriftstellerin, die im Eigenverlag veröffentlicht und von daher weiß, was es heißt, worauf man sich da einlässt … ich finde es ganz toll, dass du nun als Verlegerin andere Schriftsteller unterstützt – und so wie deine Bücher Riesenerfolg feiern, so bin ich mir auch sicher, dass du als Verlegerin Riesenerfolg haben wirst – ich wünsche dir, und allen kommenden Talenten viel, viel Glück und Freude daran!

    Ich danke für das Interview, das ja schon tollen Einblick gibt, und freue mich auf das Erscheinen der beiden Romane!

    LG Sabine aus Ö

  • Nun wird aus der Erfolgsautorin Carina Bartsch eine (hoffentlich) ebenso erfolgreiche Verlegerin. Das ist eine tolle Entwicklung, und ich drücke Dir ganz herzlich beide Daumen. Ich bin schon gespannt darauf, die ersten beiden Schandtaten zu lesen! 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.