Um 10:30 Uhr fuhr mein Zug ab und mit ein bisschen Verspätung (haben die Dinger immer, wenn ich drinsitze) kam ich gegen 13 Uhr in München an. 33 Grad im Schatten haben mich begrüßt – also das perfekte Wetter, um Weihnachten zu feiern.
Vom Bahnhof ging’s dann erst mal kurz mit dem Taxi zum Hotel, und eine halbe Stunde später zu Fuß zum Event. Offizieller Start war um 15:30 Uhr, ich sollte aber schon früher dort sein, was sich auch als äußerst hilfreich erwiesen hat. Dass ich mich nicht verlaufen habe (kann ich gut!), hat recht schnell ein Schild bestätigt.

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So doof hätte ich Verlaufen in dem Fall gar nicht gefunden, um ehrlich zu sein, war ich ein bisschen (sehr) aufgeregt.
Das Schild führte in einen Hinterhof, zum „Ganghofer68“, ein sehr modernes, stylisches Restaurant. Von außen sah es eher noch unspektakulär aus:

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Von innen dagegen … Joah … seht selbst

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Ganz schick, oder? Unten rechts, das kann man leider auf dem Foto nicht einsehen, ging der Raum weiter, dort waren die Geschenkewelten aufgebaut (Mein größter Schock: Furby ist zurück!) Ich wollte eigentlich noch ein Foto aus der Perspektive machen, als der Tumult am größten war, leider hab ich das in meiner Aufregung vergessen. Oben rechts, auf der Galerie, befand sich der Backstagebereich. Der war unter anderem auch für mich gedacht, aber ich war selten dort. Im Nachhinein habe ich mich geärgert, dass ich keinen Fernseher aus dem Fenster geworfen habe. Das macht man doch so, oder? Ich bin einfach noch nicht so geübt, seht es mir nach.

Ich bin jedenfalls sehr nett von den Amazon Leuten begrüßt worden (ein paar kannte ich schon vom Telefon) und wurde auch nicht mir selbst überlassen nach dem Motto „Schön, dass du da bist, ich sag dir dann, wenn’s losgeht, bis denn“. Besonders Tina und Anne haben sich wirklich große Mühe gegeben, mir alles gezeigt, alles erklärt, und mich betreut. Dass „Du“ stand an der Tagesordnung, hat mich an den amerikanischen Stil erinnert und empfand ich als wirklich angenehm. Allgemein war die Stimmung und Atmosphäre sehr locker, in keinster Weise steif, wie man es vielleicht erwarten könnte (ich für meinen Teil habe mir so ein Event zumindest sehr viel steifer vorgestellt), es hatte einen starken Wohlfühlcharakter.

Meine Aufgeregtheit war leider sehr stur und hat sich dennoch nicht so leicht von der Atmo beeindrucken lassen. Ich kann bei so was ein riesen Schisser sein. Mir fehlt leider so ein bisschen das Rampensau- und im-Mittelpunkt-aalen-Gen. Aber – und darauf bestehe ich – ich bin der mutigste Schisser der Welt.
Zum Glück gab’s auch eine Terrasse, auf die man immer mal wieder zum Luft schnappen nach draußen konnte (und zum Stressrauchen, versteht sich):

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Man achte auf die Weihnachtsbäume! Die standen überall.

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Irgendwann wurde ich dann zum Soundcheck gerufen. Ich musste hoch auf die Bühne, was cool war, weil man dann zumindest schon mal oben stand und sich mit der Umgebung ein bisschen vertraut machen konnte. Jedenfalls war das der kürzeste Soundcheck meines Lebens:
„Sag mal was“ – „Hallo“ – „Perfekt, passt.“

Im Anschluss gab es ein kleines Fotoshooting mit mir. Der Fotograf war nicht nur nett, sondern auch echt gut in seinem Job. Er hats mit ein paar Klicks geschafft, dass ich gar nicht mal so beschissen aussah. Respekt!

So langsam wurde es immer voller und der Countdown, bis ich dran wäre, begann langsam zu ticken. Tina und Anne kamen dann auf die hervorragende Idee, eine Generalprobe mit mir zu machen. Ich nur „Ja, bitte!!!“ Wir haben uns dann in den Backstagebereich zurückgezogen … und was soll ich sagen, die Generalprobe wurde eine gefühlte Katastrophe. „Worum geht es in deinem Buch?“ „Joah, also … Ehm … um Emely … und Elyas ist auch dabei… ehm … und die treffen nach sieben Jahren wieder aufeinander … ehm … Ja, und Alex spielt auch ne Rolle“ Meine Aufregung war zu dem Zeitpunkt echt nicht mehr feierlich. Und beim Vorlesen habe ich mich bei jedem zweiten Satz verhaspelt und natürlich einen Frosch im Hals gehabt. (Es sei dazu gesagt, dass bis zum Schluss nicht ganz klar war, welche Stelle ich nun endgültig vorlese. Es kamen mehrere infrage, letztendlich sind es zwei Stellen aus dem Anfang des Buches geworden, damit man sich am besten in die Geschichte einfinden kann.)
Noch nicht genau zu wissen, was man vorliest, war für die Nervosität jedenfalls latent uncool.

Noch dazu gab es da so ein nettes Detail, das ich erst eine halbe Stunde vor meinem Auftritt erfahren habe. Der Ablauf wurde immer folgendermaßen erklärt „Erst wird es ein kurzes Interview geben, das Ralf mit dir führen wird, danach erzählst du ein bisschen von deinen Büchern, worum es geht usw, und dann liest du vor.“ Alles so weit verständlich – wer auch immer Ralf ist, aber ja, soll er mal machen.
Kurz vor dem Auftritt fiel dann, scheinbar völlig bedeutungslos, in einem Nebensatz „Ralf, also der Chef von Amazon Deutschland, der dich interviewen wird, müsste auch bald eintreffen.“
Ach so.
Der Ralf.

Na dann …

Die Sorge stellte sich dann aber doch als sehr unbegründet heraus. Es gibt nur eine Sache, die den Herren an Lockerheit überbieten kann, nämlich Fladenbrot. Wirklich faszinierend. Wie frisch aus dem Urlaub. Die Lockerheit war zusätzlich sehr ansteckend, was sich als äußerst praktisch erwies. Man könnte meinen, dass mich die katastrophale Generalprobe noch nervöser gemacht hätte, aber irgendwie war genau das Gegenteil der Fall. Warum, kann ich selbst nicht erklären. Ich wurde langsam ruhiger. Außerdem hatte ich mich endlich entschieden, welche Stelle ich vorlese – das erleichterte ungemein.

Als ich dann wieder nach unten ging, waren Michaela und Klaus da, meine beiden Agenten, die in München wohnen und meinen Aufenthalt für eine kleine Stippvisite genutzt haben. Vertraute Gesichter! Wir haben ein bisschen geredet und ich habe keine Ahnung, wie die beiden das geschafft haben, aber Fakt ist, sie haben mich endgültig runterholen können. Danke noch mal dafür!
Und dann gings auch schon los. Ralf Kleber begann mit einer kleinen Eröffnungsrede und ehe mich versah, fiel ein Satz á la „Apropos tolle Frauen, darf ich Ihnen Carina Bartsch vorstellen?“

Ich gebe zu, das war dann doch noch ein letzter Moment, in dem ich mit einem unauffälligen Fluchtversuch geliebäugelt habe, aber ich bin dann tatsächlich nach vorne gelaufen.

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© copyright Amazon

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Der linke Herr ist übrigens besagter Ralf Kleber. Ich hatte im Laufe des Abends noch die Gelegenheit, mich ein bisschen mit ihm zu unterhalten, und muss ehrlich sagen, dass er durchaus ein sehr charismatischer Mann ist.

Und wie lief das Interview und die Lesung? Um es kurz zu machen: Alles, was bei der Generalprobe schiefging, hat Live geklappt! Ich konnte auf die Fragen gut antworten – hab sogar ein paar Lacher gehabt -, beim Vorlesen haben alle aufmerksam zugehört, keiner ging raus, viele haben ein paar Mal geschmunzelt, und ich habe mich nur zweimal, aber nahezu minimalistisch verhaspelt. Besser hätte es nicht laufen können!
Im Nachhinein kamen sogar einige Leute auf mich zu, um mir mitzuteilen, wie toll sie meinen Erfolg und wie gut sie meinen Schreibstil finden. Allen voran ein junger Mann, der mich abgefangen hat, nachdem ich gerade von der Bühne runter bin. Ich hatte noch einen totalen Tunnelblick, alles heil überstanden, nicht blamiert, aber kaum Einschätzung, ob’s gut oder schlecht gelaufen ist, und hatte das Bedürfnis, schnell raus an die frische Luft zu gehen, da kam auf einmal dieser besagte junge Mann an und sprühte nur so vor Begeisterung. Wie wahnsinnig gut das Buch geschrieben wäre, wie toll er das alles findet, wie interessant die Geschichte klingt – seine Augen haben total geleuchtet beim Reden. Ich war irgendwie total perplex. Wo kommt der auf einmal her, wieso ist der so begeistert, ich hab doch nur ein Stück vorgelesen, und überhaupt, was geht hier vor. Hat mich ziemlich umgehauen.

Danach folgten ein paar Interviews (auf die ich sehr gespannt bin), mehrere Gespräche und noch sehr nette Unterhaltungen mit meinen beiden Agenten. Die ganze Atmosphäre auf dem Event war echt toll. Ich habe das erst so richtig wahrnehmen können, als ich meinen Auftritt hinter mir hatte. Entspannt, locker, witzig, freundlich – einfach sehr angenehm und ungezwungen.

Am Abend ist die Veranstaltung dann ein bisschen lichter geworden, einige Journalisten haben sich verabschiedet und die Menschenmenge wurde weniger. Ich hatte auch erst überlegt, ob ich gehen sollte, kam dann aber mit einem Journalisten von der Leipziger Volkszeitung ins Gespräch und habe mich äußerst gut unterhalten. Irgendwann verlagerte sich dann das Ganze nach draußen, es wurden ein paar Tische zusammengestellt, und der ganze übriggebliebene Rest einschließlich dem Amazon-Team setzte sich zusammen. Leider hat man mir Wein gegeben, und wenn man Carina Wein gibt, dann endet das in etwa so, wie wenn man Emely an einem Joint ziehen lässt. Nicht ganz so schlimm und auch ein bisschen anders, aber das Redeausmaß nimmt doch recht zu. Ich war ein bisschen angeheitert.

Es wurde noch ein echt schöner Abend, der bis 1 Uhr nachts ging (circa, ich hatte nicht genau auf die Uhr geguckt, aber es war spät). Und dann war auch der junge Mann wieder da, der sich als Student und Praktikant bei Amazon herausgestellt hat und seinen ebenso netten Kollegen im Schlepptau hatte. Ersterer hat mich so verlegen gemacht, dass er schon einen Preis dafür verdient hätte. Ich kann gar nicht beschreiben, wie sehr seine Augen geleuchtet haben, es war einfach nur süß und toll und faszinierend und ich wusste gar nicht, wie ich das verdient hatte. Zum Glück war ich angeheitert, da hat man das nicht so gemerkt, haha.

Ich hatte wirklich viele tolle Begegnungen an dem Tag, viele Erfahrungen auf dem Event gesammelt und bin sehr froh, dass ich eingeladen wurde.

PS: Wenn die beiden Praktikanten mal ein Praktikum bei einem Verlag machen wollen … Sagt Bescheid! Wird auch ganz entspannt, ihr würdet hauptsächlich in meinem Wohnzimmer sitzen und mir Kaffee ins Büro bringen. Denkt darüber nach!

4 Kommentare zu Carina bei Amazon

  • Natalie sagt:

    Guten Morgen liebe Carina,
    schön, dass es bei Dir so gut läuft, aber das hast Du Dir auch wirklich verdient!
    Ich hoffe für Dich, dass weitere schöne und erfolgreiche Veranstaltungen folgen.

    Liebe Grüße
    Natalie

  • Irma sagt:

    Liebe Carina,
    hihihi…wie süß Du bist <3 ich habe beim Lesen die ganze Zeit geschmunzelt und kann mich Katha nur anschließen, wie machst Du das? Selbst ein Alltagsbericht klingt fesselnd, spannend und lustig…ich hatte sofort das Gefühl an dem Tag dabei gewesen zu sein und konnte jede von Dir beschriebene Emotion sofort nachfühlen…ohhhhhh – es ist so schön, wie Du uns mit Deinen Worten verzauberst…ja das tust Du und bitte keine Ausflüchte wie "ich mache doch nur das, was mir gefällt"…ja das machst Du – ABER SEHR GUT – vielen Dank dafür <3

    Wünsche Dir noch einen schönen Tag.
    Liebste Grüße, Irma

    P.S. und die Bilder von Dir – zuckrig :-)

  • Katha Arnold sagt:

    Mensch, Carina. Du schaffst es selbst mich mit ner Abhandlung über nen Tag bei Amazon zu fesseln. Schön, dass der Tag für dich so angenehm war. Mir sind ja die nicht-Rampensau- und nicht-im-Mittelpunkt-aalen-Gen-Leute immer noch die Liebsten, da ich selbst zu besagter Kategorie gehöre. Mein Tip – komm doch mal bei mir vorbei – die Kinder in meiner Klasse nehmen dir ganz schnell sämtliche Nervosität. Vielleicht magst du ja mal ein eben so humoriges Kinderbuch schreiben? Da hätte ich garantiert eine witzige Unterrichtsstunde mit meinen Schülern! xD xD xD

    Liebste Grüße, Katha

  • Mona sagt:

    hallo carina,
    das klingt nach einem echt aufregenden Tag ;)
    ich freu mich für dich, dass alles gut geklappt hat
    und wünsch dir noch viele weitere Super Veranstaltungen wie diese!
    du und deine Bücher habt es verdient gefeiert und bewundert zu werden :)
    lg Mona

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